Willkommen an der Bergstraße mit ihren Burgen und Burgruinen, die sich auf dem Burgensteig Bergstraße aneinderreihen Wir haben uns auf die Suche nach kurzen, abwechslungsreichen Wanderungen gemacht, die man bequem an einem halben Tag schafft.
Die zweite Etappe des Burgensteigs rund um Seeheim-Jugenheim führt von der Burgruine Tannenberg bis zum Schloss Heiligenberg. Sie ist genau das Richtige für alle, die eine genussvolle Auszeit in der Natur mit einem Schuss Geschichte suchen.
Etappe 2 Burgensteig Bergstraße:
Burg Tannenberg bis Schloss Heiligenberg
Unser erstes Ziel ist die Burg Tannenberg. Viel übrig geblieben ist von der einst trutzigen Burg zwar nicht, aber engagierte Helfer des Heimat- und Verschönerungsvereins Seeheim verhalfen der Burgruine zu neuem Glanz und machten sie damit zu einem beliebten Ausflugsziel an der Bergstraße mit fantastischem Ausblick und schönen Picknickplätzen.

Die Burgruine Tannenberg
Die Burgruine Tannenberg liegt auf 335 Meter Höhe über Seeheim-Jugenheim. Der offizielle Burgensteig Bergstraße führt über den"Langen Berg", vorbei am „Lufthansa Centrum“ (einem Koloss in der Landschaft). Wer sich den ersten Anstieg ersparen möchte, parkt gleich hier oben auf dem Wanderparkplatz. Wir starten vom unteren Parkplatz an der Ober-Beerbacher-Straße und gehen auf naturbelassenen Pfaden quer durch den Wald und genießen das frische Grün der Buchen und die ersten Sonnenstrahlen, die durch die Baumkronen dringen.

Impressionen unserer Wanderung durch den Wald zur Burgruine Tannenberg
Quer durch den Wald zur Burg Tannenberg
Der kurze Aufstieg hat es in sich, birgt aber auch kleine Überraschungen. So taucht plötzlich, wie im Märchenwald, zwischen den Bäumen die Sophienhütte auf. Oder eine nachgebebaute Zugbrücke, die mitten im Wald über einen Graben zur Burg führt.
Eine nachgebaute Zugbrücke führt zur Burg Tannenberg
Burg Tannenberg war einmal eine imposante Burg mit Wachtürmen, hohen Mauern, Zisterne, Wall- und Grabensystem. Sie wurde wahrscheinlich 1210, als Burg Seeheim, erbaut und aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage auf der Bergkuppe, im Laufe der Zeit erweitert. Eine Vorstellung, wie die Burg einmal aussah, vermittelt ein Modell im Seeheimer Heimatmuseum.
Im 14.Jahrhundert war die Burg gefürchteter Sitz von Raubrittern, bis sie 1399 durch erste Feuerwaffen in Schutt und Asche gelegt wurde. Steinkugeln in der Ruine zeugen heute noch davon. Außerdem wurde bei Ausgrabungen eine der ersten Handfeuerwaffen der Welt, die berühmte Tannenberger Handbüchse gefunden, die sich jetzt im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg befindet.
Gegen einen Obolus gibt es einen Fernblick vom Burgturm aus. Die Aussicht ist fantastisch und reicht weit über Seeheim-Jugenheim hinaus bis nach Rheinland-Pfalz, Rhein-Hessen und in den Taunus
Über Berg und Tal
von der Burg Tannenberg zum Schloss Heiligenberg
Ist der Aufstieg geschafft, führt der Burgensteig teils auf Waldwegen, teils auf geschotterten Wegen bergab ins Stettbacher Tal und von dort aus wieder bergauf, bis zum Schloss Heiligenberg. Wegmarkierungen mit der blauen Burg weisen die Richtung.

Die Sophienhütte bei Seeheim-Jugenheim
An der Alexanderhöhe steht eine Schutzhütte, die sich leider in keinem guten Zustand befindet. Manchmal sind es dann aber die kleinen, unerwarteten Ereignisse, wie ein plötzlich auftauchendes Krokodil im Wald, die uns umso mehr erfreuen.

Ein Krokodil mitten im Wald von Seeheim-Jugenheim
Schloss Heiligenberg:
Historische Verbindung zum Zarenhaus
Schloss Heiligenberg ist ein bezauberndes, kleines Schloss, das im 19. Jahrhundert seine Blütezeit erlebte und gerne in einem Atemzug mit dem Russischen Zarenpaar und dem englischen Königshaus genannt wird. Heute kann man auf Schloss Heiligenberg Kaffeetrinken, Veranstaltungen genießen und Heiraten.

Schloss Heiligenberg über Seeheim-Jugenheim
Was hat der Zar und das Britische Königshaus
mit Schloss Heiligenberg zu tun?
Der Reihe nach: Großherzogin Wilhelmine, Gemahlin von Ludwig II, erwarb 1827 das ehemalige Landgut und ließ es im klassizistischen Stil als Sommersitz umbauen. Mit ihren Kindern Alexander und Marie verlebte sie hier die Sommermonate. Ihre Tochter Marie heiratete 1841 den späteren Zaren von Russland, Alexander II. Das Zarenpaar verbrachte die Sommermonate häufig auf Schloss Heiligenberg und so wurde das Zarenreich gelegentlich von Jugenheim aus regiert. Zuweilen hielten auch hochkarätige Staatsmänner wie Kaiser Wilhelm oder Otto Fürst von Bismarck Einzug ins Schloss.
Sohn Alexander wiederum ehelichte die Hofdame seiner Schwester, Julie von Haucke. Jedoch galt diese Hochzeit als nicht standesgemäß, weshalb Julie kurzerhand zur Prinzessin von Battenberg erhoben wurde. Die Vermählten lebten auf Schloss Heiligenberg. Ihre Nachkommen trugen die Titel Prinz*essinnen von Battenberg (Mountbatten) und sind durch Eheschließungen mit vielen europäischen Adelshäusern verbunden, an prominentester Stelle ist das englische Königshaus „Windsor-Mountbatten“ zu nennen. (Prinz Philipp, Gemahl der englischen Königin und Großvater der Prinzen William und Harry, war der Urenkel von Alexander).

Die Balustrada am Schloss Heiligenberg mit Café-Terrasse
Von Innen kann das Schloss nicht besichtigt werden, denn die Räumlichkeiten werden Großteils als Verwaltungs- und Konferenzzimmer genutzt. Aber es gibt einen wunderschönen, stuckverzierten Gartensalon für kulturelle Veranstaltungen, ein Trauzimmer für Hochzeiten und ein Café mit stilvollem Ambiente und Terrasse. Im Sommer ist es herrlich, im Schatten unter den alten Bäumen zu sitzen und die Fernsicht zu genießen.
Der Schlosspark Heiligenberg:
Ein Spaziergang durch die Geschichte
Nicht nur das Schloss ist sehenswert auch der Schlosspark. Wie bereits erwähnt, ließ Großherzogin Wilhelmine den Schlosspark als englischen Landschaftsgarten anlegen. Das war damals en vogue und bedeutet, dass die Natur im Vordergrund stehen sollte. Der Garten sollte nahtlos in die Umgebung übergehen, dennoch ein eigenes Kunstwerk mit exotischen Gewächsen sein und viel freie Sicht bieten. Und natürlich durften auch romantische Elemente wie ein Schlossteich oder ein Laubengang (Liebespfad) nicht fehlen.

Badehäuschen Schloss Heiligenberg
Wer dem Geschichtspfad folgt, entdeckt das Russenhaus, (heute Informationszentrum), das Prinzessinenhäuschen und das Badehäuschen, das Rehhäuschen und die Gärtnervilla.

In der Nähe des Schlossteichs liegt die Klosterruine und der Kreuzgarten
Die Klosterruine ist aber keine echte Ruine, sondern ein Nachbau, der im Zuge der Parkgestaltung auf dem Fundament eines mittelalterlichen Nonnenklosters errichtet wurde. Direkt daneben fällt die riesige, über 300 Jahre alte „Zentlinde“ ins Auge. Auf der Infotafel lesen wir, dass einst das Zentgericht unter dieser Linde tagte und die Verhandlungen immer vormittags stattfanden, da ein Eid nur bis zwölf Uhr mittags abgenommen werden durfte.

Der Kreuzgarten mit dem Goldenen Kreuz und der Gedächtniskapelle
Der Kreuzgarten mit dem Goldenen Kreuz und der Gedächtniskapelle ist die letzte Ruhestätte von Prinz Alexander und Prinzessin Julie. Die beiden ruhen in der Gruft vor dem Goldenen Kreuz. Auf der Grabstätte befindet sich außerdem ein Gedenkstein für deren Enkel Louis, der einem Attentat der IRA zum Opfer fiel. Das von weitem sichtbare Goldene Kreuz wurde zum Andenken an die Großherzogin Wilhelmine (1788-1836) errichtet, die auf der Rosenhöhe ihre letzte Ruhe fand.

Blick auf Seeheim-Jugenheim an der Bergstraße
Erfüllt von so vielen historischen Eindrücken treten wir den Rückweg an. Unterhalb der Bergkirche nehmen wir den Blütenweg, schlendern ein in Stück durchs Wohngebiet, um am Feldrand zurück. Am Ende der Zeppelinstraße geht´s einige Stufen hinauf in den Wald. Dann führt der Weg über den schönen Goldschmidtspark, vorbei an der Elsbachmühle zurück zum Parkplatz.

Die Elsbachmühle - eine liebevoll gestaltete Miniatur-Anlage mit Wasserfall wurde 1967 zur Erinnerung an die Wassermühlen im Ober-Beerbacher-Tal geschaffen.
Nützliche Hinweise
Burgensteig: Der „Burgensteig Bergstraße“ ist mit dem Symbol einer blauen Burg auf weißem Grund gekennzeichnet. Er ist steiler und anspruchsvoller als der Blütenweg und erfordert mehr Kondition.
Blütenweg: Dieser Wanderweg verläuft auf halber Höhe unterhalb des Burgensteigs, ist mit einem gelben „B“ markiert und bietet sich in Kombination mit dem Burgensteig für eine
Rundwanderung an
Burg Tannenberg: der Eintritt zur Burgruine ist frei. Es gibt
Picknickplätze
Schloss Heiligenberg und Schlosspark: Frei zugänglich
Öffnungszeiten Café: unregelmäßig
1. Etappe Burgensteig: Burg Frankenstein - Seeheim-Jugenheim
Dieser Artikel ist ein redaktioneller Beitrag und keine bezahlte Werbung. Die Angaben sind ohne Gewähr
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